Projekt 3: Der totale Reinfall

Projekt 3 – Totaler Reinfall

Manchmal kommen einem spätabends richtig gute Ideen.

Und manchmal eben genau die Sorte, bei der man am nächsten Tag denkt: Warum habe ich das nicht einfach gelassen?

Projekt 3 gehört eindeutig in diese zweite Schublade.

Am Anfang klang alles ziemlich genial. Honig und Whiskey? Klingt gut. Honig mit Whiskey? Klingt noch besser. Warm, süß, tief, ein bisschen Fass, ein bisschen Rauch. Und dann noch frischer Knoblauch, weil… na ja. Knoblauch geht doch immer. Dachte ich zumindest.

Also stand plötzlich eine Flasche Ballantine’s in der Küche. Das Fleisch wurde wie immer vorbereitet, gepökelt, alles saubere Routine. Kein Stress, alles lief. Dann kamen Kräuter dazu, Honig, der Whiskey und zum Schluss der frische Knoblauch. Beim Mischen hing dieser schwere, intensive Geruch in der Luft. Irgendwas Großes schien da zu entstehen. In dem Moment fühlte sich das alles komplett richtig an.

Das Fleisch durfte pökeln, ich ließ es in Ruhe arbeiten. Zeit war genug da, alles schien auf unserer Seite zu sein.

In der Durchbrennphase dann die nächste Bestätigung fürs Ego. Beim Abwaschen roch alles fantastisch. Die Whiskey-Charge klar nach Whiskey, die Honig-Variante weich und süß, und die Knoblauch-Linie… nun ja. Sagen wir: sehr deutlich Knoblauch. Wirklich sehr deutlich. Aber noch dachte ich: passt schon.

Geräuchert wurde ganz brav mit Buche. Keine Experimente an der Stelle. Drei Durchgänge à acht Stunden, dazwischen Pausen wie immer. Verlässlich. Bewährt.

Danach zwei Wochen Trockenphase. Nichts Auffälliges. Temperatur gut, Luftfeuchte im Rahmen, Gewicht lief sauber runter. Keine Warnlampen. Kein mulmiges Gefühl.

Und dann kam der Moment der Wahrheit. Der Anschnitt.

Optisch? Ein Traum. Farbe wie aus dem Lehrbuch, Struktur perfekt.

Der Geruch? Großartig. Tief, rund, vielversprechend. Genau so, wie man es haben will.

Und dann der erste Bissen.

Endstation.

Was da kam, war schlichtweg widerlich. Da gibt es nichts schönzureden.

Ich wollte es nicht wahrhaben. Also noch ein Bissen. Und noch einer. Aber keine Chance. Alle Varianten waren ungenießbar. Nicht spannend. Nicht mutig. Nicht „muss man sich reinfinden“. Einfach zu viel. Von allem.

Der Honig hat alles plattgewalzt. Der Whiskey hat verzweifelt zurückgeschlagen. Und der Knoblauch hat sich wie eine schwere Decke über alles gelegt. Nichts hatte Platz. Nichts durfte sich entwickeln. Kein Zusammenspiel, nur Gedränge.

Ach, was heißt zu viel.

Viel zu viel.

Projekt 3 ist gescheitert. Komplett. Ohne Ehrenrunde.

Aber auch das gehört dazu. Denn manchmal lernt man nicht aus Erfolg, sondern aus genau diesem Moment: Man steht mit offenem Mund in der Küche, hält den schönsten Schinken der Welt in der Hand und denkt nur noch:

Das mache ich nie wieder.

Oder zumindest… nicht so.

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